Workation: Mobiles Arbeiten aus dem Urlaub

Mit dem Laptop in den Urlaub, Meetings mit Blick aufs Meer oder die Berge und nach Feierabend gemütlich den Strand entlang spazieren oder zum Canyoning aufbrechen – Workation liegt im Trend. Doch hat das Workation-Modell Zukunftspotenzial? Dieser Frage gehen wir in unserem Beitrag auf den Grund.

Diese Dinge sollten Sie vor einer Workation berücksichtigen.

Welche Vorteile bringt der Arbeitsurlaub?

Nach nun eineinhalb Jahren Leben und Wirtschaften mit Corona ist der Wunsch nach einem Tapetenwechsel bei vielen Menschen groß. Gleichzeitig haben die vergangenen Monate gezeigt, dass mobiles Arbeiten und Telearbeit – entgegen den anfänglichen Bedenken vieler Menschen – funktionieren. Über diese Entwicklung hinaus gibt es zudem einen weiteren Trend – die „Workation“. Immer mehr Angestellte denken darüber nach, nicht nur weiterhin im Home-Office zu verweilen, sondern dieses außerdem ans Meer oder in die Berge zu verlegen. Im Rahmen der „Travel Trends 2021“-Studie gaben 42 Prozent der Deutschen an, für eine Workation offen zu sein. Was bislang vor allem als Modell für Blogger und Feelancer bekannt war, könnte somit künftig auch für Mitarbeitende in anderen Branchen zunehmend Realität werden.

Der große Vorteil der Workation liegt auf der Hand: Der Arbeitsurlaub schafft neue Reize, regt die Kreativität an und kann dazu die Mitarbeiterzufriedenheit steigern. Wer nämlich die Morgenstunden zum Beispiel für Pilates-Sessions am Strand nutzen kann und die Abende bei gemütlichen Spaziergängen durch Urlaubsparadiese ausklingen lässt, ist bei der Arbeit eher motiviert und produktiv.

Darüber hinaus sind längere Auslandsaufenthalte, wie sie eine Workation ermöglicht, wertvoll für das persönliche Wachstum von Angestellten – was wiederrum im Job von Nutzen sein kann. Lernen Mitarbeitende beispielsweise im Rahmen einer längerfristigen Workation eine neue Sprache und tauchen in andere Kulturen ein, kann dieses Wissen etwa im Austausch mit internationalen Geschäftspartnerschaften Gold wert sein.

Arbeitszeit, Ort, Dauer: Welche Regeln gelten bei der Workation?

Bevor Sie oder Ihre Mitarbeitenden zur Workation aufbrechen, sollten Sie frühzeitig das Gespräch mit der Teamleitung suchen und die Rahmenbedingen klären. Besonders die folgenden Fragen sind unbedingt zu berücksichtigen:

Was bedeutet eine Workation mit Blick auf den Arbeitsvertrag?

Neben mündlichen Absprachen haben Angestellte grundsätzlich einen offiziellen Antrag zu stellen. Oftmals muss zudem der Arbeitsvertrag für eine Workation angepasst werden. Ist im Vertrag eine Klausel zum mobilen Arbeiten enthalten, bezieht sich diese nämlich meist auf einen Arbeitsort im Inland. Für ein Arbeiten aus dem ausländischen Urlaubsdomizil bedarf es einer entsprechenden Zusatz- oder Änderungsvereinbarung.

Bleibt das deutsche Arbeitsrecht bestehen?

Auch Regelungen zur Dauer des Einsatzes wollen mit der Chefetage geklärt sein. Dauert eine Workation bis zu vier Wochen an, sind dazu bezüglich des Arbeitsrechts keine Anpassungen nötig. Ist jedoch ein länger andauernder Auslandsaufenthalt geplant, kann die Workation zu einer Änderung des bestehenden Arbeitsrechts führen. Deshalb kann es sinnvoll sein, vor der Abreise vertraglich festzulegen, dass das Arbeitsverhältnis dem deutschen Recht unterliegt. Je nach Arbeitsort und den dort geltenden Bedingungen können ferner eine Arbeits- oder Aufenthaltsgenehmigung nötig sein.

Welche sozialversicherungs- und lohnsteuerrechtlichen Folgen hat eine Workation?

Hat eine geplante Workation keinen vorübergehenden Charakter mehr, sondern möchten Mitarbeitende dauerhaft aus dem Ausland arbeiten, kann sich das auf das geltende Sozialversicherungs- und Steuerrecht auswirken. Bei einer Workation innerhalb der EU, dem EWR oder der Schweiz gilt deutsches Sozialversicherungsrecht, wenn

  • mindestens ein Viertel der Arbeitszeit in Deutschland verrichtet wird oder
  • sowohl der Sitz des*r Arbeitgeber*in wie auch der Hauptwohnsitz des*r Arbeitnehmer*in in Deutschland liegen.

Trifft das nicht zu oder findet die Workation in einem Land statt, das nicht zur EU, zum EWR oder zur Schweiz zählt, ist die Rechtslage aktuell (noch) uneindeutig. Mitunter gilt dann das Recht des Tätigkeitsorts.

In puncto Steuern wiederrum bleibt die Lohnsteuerpflicht in Deutschland im Regelfall bestehen. Bei einer kurzzeitigen Workation ändert sich somit steuerlich erst einmal nichts. Beschließen Mitarbeitende allerdings, dauerhaft aus dem Ausland zu arbeiten und gehen sie ihrem Job an mehr als 183 Tagen im Jahr aus dem Ausland nach, entsteht (je nach Wortkation-Ort) auch in dem ausländischen Tätigkeitsstaat eine (Lohn-)Steuerpflicht – was wiederrum zu einer veränderten Lohnsteuerabzugsverpflichtung von deutschen Arbeitgeber*innen führen kann.

Privat planen oder doch lieber professionell?

Wer Interesse an einer Workation hat, kann diese sowohl privat planen als auch ein spezielles Reiseangebot dafür nutzen. Für letztere Option gibt es mittlerweile verschiedene Anbieter*innen – zum Beispiel Sunny Office, Wireless Life Workation oder DNX Camp. Sie spezialisieren sich auf die Organisation von Workations und unterstützen Reiselustige bei der Suche nach passenden Urlaubs-Arbeitsplätzen. Der Service umfasst zudem häufig den technischen Support, die Wahl einer Unterkunft und (bei Bedarf) die Bereitstellung eines geeigneten Co-Working-Spaces am Workation-Ort.


Wer hingegen seine Workation auf eigene Faust planen möchte, sollte unter anderem sichergehen, dass in der gebuchten Unterkunft eine stabile Internetverbindung besteht. Auch geltende Reise- und Sicherheitsbestimmungen am gewählten Workation-Ort sollten unbedingt gut recherchiert werden.

Workation – Home-Office 2.0

Aktuell steht das Modell Workation noch an seinem Anfang. Besonders bei der Planung gilt es deshalb viele Fragen zu klären. Reiselustige Angestellte, die nun Remote Work gewohnt sind, sollten sich frühzeitig mit rechtlichen und organisatorischen Aspekten auseinandersetzen, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Sind rechtliche Fallstricke aus dem Weg geräumt und auch alle weiteren Fragen geklärt, kann das Kofferpacken für die Workation losgehen.